Kinderbuch

Das queere Kinderbuch Special (Part 1.2)

Noch mehr queere Kinderbücher

Und hier kommt der zweite Teil des queeren Kinderbuch Specials. Es gibt natürlich noch mehr Kinderbücher, die queere Liebe und queeres Leben behandeln. Und die will euch euch nicht vorenthalten. Ich habe drei weitere Schätze für euch rausgesucht, die mir besonders gut gefallen.


Maria Pawłowska, Jakub Szamałek – Wer ist die Schnecke Sam?

In dieser herzerwärmenden und humorvollen Geschichte begleiten wir eine kleine Schnecke, die von der Vielfalt in der Welt um sie herum empowert wird. Sie lernt dadurch, dass es voll ok ist, nicht zu wissen, ob sie Junge oder Mädchen ist, weil die Welt vielfältiger ist, als bisher gedacht.

Darum geht’s:

Es ist Schulanfang für die kleine Schnecke Sam – und die Aufregung und Angst sind groß. Gleich am ersten Tag fühlt sich Sam schrecklich unwohl, denn für ein Spiel soll sich die Klasse in Jungen und Mädchen einteilen. Aber Sam weiß gar nicht, ob sie ein Junge oder Mädchen ist, sie hat sich noch nicht entschieden. Vor Angst versteckt sie sich in ihrem Haus und kommt erst heraus, als ihr die Schulpädagogin Frau Wasserschwein die Aufgabe gibt, einen Report über das gestrige Gewitter zu verfassen. Verwirrt macht sich Sam auf den Weg und trifft auf Frau Weißbüscheläffchen, die mit ihren zwei Männern das Haus repariert oder Herrn Lippfisch, der früher mal Frau Lippfisch hieß und und noch einige andere Bewohner:innen des Waldes.

Besonders zu genießen:

Sam ist verwirrt und hat viele Fragen und wir können genau so neugierig auf der Reise durch den Wald folgen. Es ist eines der (bisher) wenigen Bücher, die sich mit Geschlechtsidentität auseinander setzten und ganz nebenbei alle Vorstellungen von hetronormativem Leben als das entlarvt, was sie sind: Vorstellungen, die nicht bedeuten, dass es außerhalb dessen nichts geben darf.

Sams Reise ist nicht zuletzt durch die tollen Charaktere sehr unterhaltsam und humorvoll. Die Überstzung ist super und die Illustrationen sehr liebevoll.

Besonders toll ist, dass sich in der Tierschule entschuldigt wird, denn hier übernehmen die Verantwortung, die diskriminiert haben. Wenn es doch auch in der Menschenschule so wär…

Nach der Geschichte gibt es noch ein paar (biologische) Fakten zu den Tieren, welche von Sam besucht werden. Dadurch wird aufgezeigt, dass auch in der Realität verschiedene Lebens-, Liebes- und Beziehungsformen in der Natur um uns herum vorkommen.

Vorsicht bei:

Gerade bei dem Thema Geschlechtsidentität ist es schade, dass in der deutschen Übersetzung nur an wenigen stellen sprachlich gegendert wird. Auch ein kleines Glossar zum Thema Geschlechtsindentität und Gender – ähnlich wie es das Buch bei den Fakten über Tiere abdeckt – könnte noch unterstützen. Gerade auch für die Menschen, die sich mit dem Thema noch nicht auseinander gesetzt haben. Dadurch kann vermieden werden, die Menschen mit Tieren gleichzusetzten.

Beschäftigt sich mit:

In Sams Geschichte geht es um Geschlechtsidentität und Gender. Es können bzw. müssen hier super Gespräche zu trans* und inter* Identitäten angeschlossen werden.

Alter:

ab 6 Jahren zum Vorlesen oder langsam selbst lesen, weil die Geschichte doch textlich sehr umfangreich ist.

Die Geschichte »Wer ist die Schnecke Sam?« von Maria Pawłowska und Jakub Szamałek mit llustrationen von Kałarzyna Bogucka wurde aus dem Polnischen übersetzt von Ewelina Rockenbauer und ist im Doppelgänger Verlag erschienen.


Melanie Labil, Michael Roher – »Prinzessin Hannibal«

»Prinzessin Hannibal« ist eines meiner absoluten Lieblingskinderbücher. Es ist sprachlich geschickt geschrieben, humorvoll und die Illustrationen sind einfach zauberhaft!

Darum geht’s:

Prinz Hannibal hat ein Problem. Er will lieber eine Prinzessin sein. Doch sein königlicher Vater ist zu beschäftigt und seine Mutter die Königin mit ihrem Fächer-Fremdsprach-Fernkurs abgelenkt. Also ab zu den sieben Schwestern und sich dort Rat holen, wie er zur Prinzessin werden kann…

Besonders zu genießen:

Dieses Buch hat neben den unglaublich schönen Illustrationen von Michael Roher auch noch zauberhaft zarte Wortspiele von Melanie Labil. Hinter jeder Alliteration – der vollständige Name unserer Hauptfigur lautet klingend Hannibal Hippolyt Hyazinth – steckt viel Humor und nebenbei werden auch noch klassische Märchen mit ihren Prinzessinen-Stereotypen auf den Arm genommen.

Vorsicht bei:

Ob am Ende einfach ein Kleid und Schmuck eine Prinzessin ausmachen, ist vielleicht zu kurz gegriffen. Doch auf der anderen Seite werden hier wie durch Drag klassische Vorstellungen von Weiblichkeit entlarvt. Und vielleicht ist es für Hannibal nur der erste Schritt auf dem Weg zur Prinzessin. Letztendlich ist Prinzessin, wer sich so fühlt – egal was sie:r an hat.

Beschäftigt sich mit:

In den Buch geht es um Gender, Geschlecht und Geschlechterrollen.

Alter:

ab 5 Jahren. Eigenet sich am besten zum Vorlesen, da einige schwierige Worte im Text eine Herausforderung für Leseanfänger:innen sind.

Wer in die sympathisch skurrile Welt von »Prinzessin Hannibal« eintauchen will, findet das Buch beim Luftschacht-Verlag – wenn es bald wieder neu aufgelegt wird, denn gerade ist es vergriffen. Also ab in die Bibliothek.


Edith Schreiber-Wicke, Carola Holland – Zwei Papas für Tango

Die folgende ist keine erfundene Geschichte, sondern eine Nacherzählung von einem Ereignis aus dem New Yorker Zoo – oder aus dem Zoo Sydney oder Bremen oder oder oder.

Darum geht’s:

Die beiden männlichen Pinguine Roy und Silo sind unzertrennlich. Sie schwimmen, watscheln, tauchen zusammen und schlafen aneinander gekuschelt ein. Doch als andere männliche und weibliche Pinguine um sie herum anfangen zu brüten und auch sie ein Nest bauen, beginnen die Tierpfleger zu zweifeln.

Besonders zu genießen:

Diese berührende Geschichte von zwei Pinguin-Männern, ihrer Unzertrennlichkeit und dem Wunsch nach Nachwuchs geht direkt ins Herz und zeigt, wie vielfältig Leben und Lieben ist. Und auch die Tierpfleger erkennen irgendwann, dass Familie ist, wer sich liebt.

Beschäftigt sich mit:

Hier geht es um Homosexualität (und schwul sein), diversen Familienmodellen und im weiteren Sinne auch um Adoption.

Alter:

ab 4 Jahren.

»Zwei Papas für Tango« von Edith Schreiber-Wicke und Carola Holland ist bei Thiemann erschienen und gehört ins jedes Kinderbuchregal!


Du kennst noch nicht den ersten Teil vom queeren Kinderbuch Special? NA DANN KLICK HIER!

One Comment

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner